IDE oder nicht IDE ?

das ist hier die Frage.

Und sie lässt sich leicht beantworten:
Es kommt darauf an.

Nun ist diese Antwort zwar durchaus korrekt, aber natürlich ausgesprochen unbefriedigend.

Deswegen werde ich das Thema hier mal etwas genauer betrachten. In diese Betrachtung spielen auch meine persönlichen Vorlieben hinein, das sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Kurze Kriterienauswahl

Diese Auswahl ist nicht vollständig und auch nicht zwingend.

IDE

Die Verwendung einer IDE macht Sinn, wenn

sie also ein "Rundum-Wohlfühl-Paket" darstellt.

nicht IDE

Gegen den Einsatz einer IDE sprcht

Etwas genauer

Der Profi

Als professioneller Programmierer, der sein Geld mit der Arbeit in einer Firma verdient, würde ich eine IDE auf jeden Fall vorziehen, wenn die Rahmenbedingungen passen. Hier ist aber vor allem die Firma ausschlaggebend.

Persönliche Vorlieben und Animositäten müssen unbedingt VOR der Entscheidung eingebracht werden - und sollten keine wesentliche Rolle spielen. Persöliche Erfahrungen sachlicher Art dagegen können und müssen die Entscheidung durchaus beeinflussen.

Im Hobby

Hier sieht die Sache naturgemäß etwas anders aus. Die Entscheidungskriterien sind vielfältiger, die Gewichtung ist eine andere.

Erste detaillierte Antwort

Im professionellen Breich sprechen sachliche Kriterien überwiegend für den Einsatz einer IDE. Andererseits hat der Einzelne recht wenig Einfluss auf die Entscheidung.

Im Hobbybereich spielen eher die persönlichen Vorlieben und Erfahrungen die Hauptrolle in der Entscheidungsfindung. Da bleibt es also bei der ersten Antwort: "Es kommt darauf an".

Persönliche Erfahrungen

Was jetzt folgt, sind meine Erfahrungen aus über 40 Jahren Arbeit im Beruf als Softwarentwickler. Die Arbeit war meistens sehr hardwarenah, aber nicht ausschließlich.

Im hardwarenahen Bereich gibt es sinnvoll einsetzbare IDEs noch nicht sooo lange. Seit und wenn sie zur Verfügung stehen, nutze ich sie auch. Der Weg über die Kommandozeile ist für mich aber kein Hindernis, sondern häufig eine lange gepflegte Abkürzung, und oft eine Notwendigkeit.

Für die Entwicklung von GUI-Applikationen halte ich den Einsatz einer IDE für unabdingbar, vorausgesetzt die GUI-API ist vollständig und grafisch integriert. Unter Windows ist das Standard, unter Linux führen, wie immer, viele Wege zum Ziel. Hier dürfte es hauptsächlich eine Kostenfrage sein.

Interessant wird es, wenn das Zielsystem des Projektes nicht von einer IDE unterstützt wird. Oft helfen da vom Hersteller angepasste Versionen des Visual Studio oder von Eclipse, die teilweise auch Remote-Debugging ermöglichen. Dann ist deren Einsatz auf jeden Fall sinnvoll.
Anders sieht es aus, wenn so etwas fehlt. In diesem Fall halte ich es für sinnvoll, einen für Programmierer "aufgemotzten" Editor zu benutzen und sich den Rest mit Batch-Skripten zu vereinfachen. Mein persölicher Favorit war erst Boxer(99), dann, weil Betriebssystem übergreifend, Bluefish und schließlich seit einigen Jahren Atom.
Debugging baut man sich nach Gusto selbst in sein Programm ein oder nutzt die Möglichkeiten auf dem Zielsystem.

Bei meinen privaten Projekten habe ich bisher auf den Einsatz einer IDE verzichtet. Ich arbeite alleine und für mich, brauche also auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Die Bedienung der notwendigen Programme geht mir auf der Kommandozeile leicht von der Hand. Und wenn nicht, dann kann ich wieder mal was Neues lernen - wer weiß, wozu das mal gut ist?

Zweite detailliertere Anwort

"Es kommt darauf an".

Die Antwort hat sich also nicht geändert.

Der obige Text sollte aber etwas verständlicher machen, worauf es ankommt, und welche Kriterien eine Entscheidung in diese oder jene Richtung beeinflussen.

Letzten Endes muss man als Profi wohl immer mit einem Kompromiss leben.
Im Privaten hat man jederzeit die Möglichkeit, seine Entscheidung anzupassen oder zu revidieren.

Uwe Jantzen , Hörnum, den 6.6.2022

© Uwe Jantzen 2.07.22